#1

Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 28.03.2015 09:47
von Michelle8394 | 18 Beiträge

Alles fing im Sommer 2014 an.
Ich hatte das Gefühl schwanger zu sein. Zu Hause hatte ich noch einige Test's, die ich zum Testen nahm. Diese waren ständig negativ. Irgendwann schaute ich mal auf das Haltbarkeitsdatum... abgelaufen. Also fuhr ich in die Nachbarstadt und kaufte mir dort zwei andere.
Am nächsten Morgen machte ich einen von den beiden. Laut Anleitung sollte man 3 Minuten warten... negativ.
Ich dachte, okay, dann wird das wohl so sein.
In der Nacht träumte ich, dass ich noch den anderen Test machen soll, was ich dann auch am Morgen gemacht hatte. Der wurde so schnell positiv :) Ich schaute in den Mülleimer, nach dem anderen Test und siehe da, er war auch positiv. Ich war kurz geschockt, aber freute mich so auf unser Baby. Ich hab es meinem Mann erzählt. Er freute sich riesig.
Ich vereinbarte einen Termin beim Gynäkologen.
Bei meinem ersten Termin, sagte er nur, dass er hier etwas erahnen könne und ob ich mir denn wirklich sicher sei, dass ich schwanger bin. Ich hab ihn entsetzt angesehen und gesagt, dass ich das spüre und dass ja auch die Tests positiv waren.
Ich sollte Ende der Woche nochmal zur Kontrolle kommen.
Am Freitag dann sah man die Fruchthöhle... das war der 01.08.14... ich war so glücklich.
Ich zeigt zu Hause meinem Mann das erste Bild. Wir hielten es kaum noch aus und erzählten es unseren Eltern. Wir haben einen guten Draht zu ihnen und wollten, dass sie von Anfang an Bescheid wissen. Sie freuten sich ebenfalls sehr über ihr erstes Enkelkind.

Mir ging es schlecht. Ich hatte so sehr mit der Übelkeit zu kämpfen. So hab ich erstmal, in kurzer Zeit , 7kg abgenommen. Der Frauenarzt wollte es mir nicht glauben, was für ein Quatsch. Ich erzählte ihm, dass ich mich permanent übergeben müsse und dass mein Kreislauf im Keller ist. Meine Hausärztin hatte mich erstmal krank geschrieben, sie meinte ich solle alles weitere dann mit ihm besprechen.
Ich arbeite als Gesundheits- und Krankenpflegerin (Krankenschwester), somit war ich ständig Keimen, üblen Gerüchen usw. ausgesetzt. Außerdem hat man keine geregelten Pausen.
Ich musste aus dem Patientenzimmer rennen, weil es mir hoch kam. Ich musste die anderen Patienten, die ja auch noch ein ordentliches Gewicht haben, heben und versorgen. Was mich sonst wirklich nicht stört, aber jetzt ging es nicht nur um mich, sondern auch um mein Baby im Bauch, das wollte ich schützen.
Ich war zur nächsten Kontrolle bei diesem Frauenarzt. Ich schilderte ihm mein Anliegen, dass ich gerne , ein Beschäftigungsverbot hätte, weil es zum einen ja nicht so weiter gehen kann, dass ich mich immer wieder auf Arbeit übergebe, zum anderen verantwortungslos ist, dass ich diesen Keimen, dem Heben, ungeregelte Pausen ausgesetzt bin. Zur Antwort bekam ich, dass ich mich mal nicht so haben soll, dass andere im Krankenhaus, denen es gut geht , bis zum Schluss gearbeitet haben. Ich hab gleich geantwortet, unter Tränen, dass es mir eben nicht gut geht. Er meinte, dass ich langsam mal meine Schwangerschaft akzeptieren soll und mal ne Runde spazieren gehen, würde mir auch nicht schaden, er stellt mir jedenfalls kein BSV aus. Ich war über diese Aussage geschockt. Er macht noch Ultraschall und fragte mich ob ich dieses Frist-Trimester-Screening machen lassen möchte. Ich verneinte es. Dann war er noch beleidigter , was er mich spüren lies.
Ich stand auf und verließ die Praxis... Meine Freundin nahm mich zu ihrem Frauenarzt mit. Er war wirklich sehr lieb. Er schrieb mich erst mal krank, um zu sehen, ob die Übelkeit besser wird. Er meinte, dass ich mich erstmal schonen solle und auch öfters mal liegen sollte.
Ich musste zu ihm dann jede Woche zur Kontrolle. Dem Baby im Bauch ging es gut. Ich freute mich, es jede Woche zu sehen. Mir ging es allmählich besser, aber von gut war leider keine Rede.
Ich bekam mein BSV. Ich war glücklich.

Trotzdem war ich irgendwie unsicher und dachte mir, dass irgendwas nicht stimmt, hab mir ein Ultraschallbild angesehen und mich gefragt ob das normal ist... ich kenne mich mit Ultraschallbildern eigentlich nicht so aus. Ich dachte dann aber, dass meine Angst wohl normal sei, dass es bestimmt anderen Müttern genau so ergeht.

Bei der nächsten Ultraschalluntersuchung erfuhren wir dann, dass es ein Junge wird. Ich hab es gleich selbst auf dem Ultraschall erkannt :) Ich hatte es im Gefühl. Ich hatte mir zwar ein Mädchen gewünscht, aber ich freute mich genau so. Ein kleiner Fußballer, dachte ich mir. Ich bin gleich einen blauen Strampler gekauft und meinen Mann unter die Nase gehalten. Mein Mann arbeitet bei seinen Eltern in der Firma. Die haben es auch gleich mitbekommen und sich gefreut. Meine Schwiegermutter hätte aber lieber in rosa gestrickt. Da musste sie jetzt durch. :)

Ein paar Wochen später habe ich mir eine Überweisung zu Feindiagnostik geholt. Das übernimmt ja die Krankenkasse seit 2013 , regulär.
Ich machte einen Termin aus und freute mich, meinen Prinzen noch genauer sehen zu können.
Jeder der mich fragte, was Feindiagnostik ist, erklärte ich , dass man da erkennen kann ob z.B. ein Herzfehler vorliegt.

Am Donnerstag, den 13.11.15 fuhren wir dann in die Praxis. 10:15 war unser Termin. Wir waren so aufgeregt. Das Wartezimmer war so voll. Aber es ging voran. Wir wurden aufgerufen. Die Ärztin war sehr nett. Sie fragte uns , nach Krankheiten in der Familie . Wir erklärten ihr, dass meinem Mann seine Mutter ein Loch im Herzen hatte, dass sich nach der Geburt nicht verschlossen hat, wie es üblich war. Sie sagte uns, dass sie sich alles genau ansieht und uns alles erklärt.
Ihre erste Einstellung war das Herz. Als Krankenschwester, weiß man, wie ein Herz auszusehen hat.
Ich dachte mir, dass es komisch aussieht... hab aber ehrlich gesagt, den Gedanken ganz schnell verdrängt und mir gesagt, dass es bestimmt nur eine komische Einstellung war... Wir freuten uns unseren kleinen so zu sehen. Sie schaute sich alles an... kam aber immer wieder zum Herzen zurück. Sie war ruhig.
Plötzlich sagte sie, dass sie einen Herzfehler bei unserem kleinen entdeckt habe. Es wäre ein sog. AVSD. Wir waren geschockt. Sie zeigte uns das Herzchen und beschrieb es, auch für meinen Mann verständlich. Sie sagte alles sehr lieb und offen. Sie meinte, dass bei dieser Art Herzfehler die Wahrscheinlichkeit 50:50 ist, dass eine Trisomie 21 vorliegt. Auch, dass er für die SSW zu klein ist. Ich fing sofort an zu weinen. Mein Baby soll krank sein?
Sie machte einen Termin in Leipzig bei zwei Spezialisten aus. Wir mussten zurück ins Wartezimmer. Dort war eine ältere Frau mit einem Neugeborenen. Es traf mich , mitten ins Herz.
Wir mussten, dann wieder zu ihr. Sie sagte, dass wir am Montag einen Termin haben... Früher war leider nichts möglich. Ich konnte nicht aufhören zu weinen.
Wir verließen die Praxis und im Auto fing auch erst mal mein Mann an, seinen Tränen freien lauf zu lassen. Wir fragten uns "Warum?!". Wir fuhren zurück in die Firma, wo meine Schwiegereltern schon auf uns warteten.
Wir erzählten ihnen von allem... Nun schwiegen wir uns alle an. Mein Schwiegervater fing an für und mit uns zu beten. Wir hofften, dass Gott für uns, noch alles zum Guten wenden würde.

Unsere Hochzeit war für den Dienstag geplant. Wir wollten nur mit unserer Familie feiern und später, wenn wir unseren kleinen taufen lassen würden, würden wir kirchlich heiraten mit all unseren Freunden.

Wir lasen im Internet, obwohl wir das eigentlich nicht machen wollten... Ich weiß nicht, wie wir das Wochenende rum gebracht haben. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich konnte die Nächte nicht schlafen... Ich suchte nach Antworten.
Ich betete und flehte Gott an, dass er nicht eine Trisomie 21 haben solle, sonder "nur" diesen Herzfehler. Wir sprachen darüber, dass wir unser Kind so nehmen wie es ist, Trisomie 21 hin oder her. Dass wir das schaffen. Wir waren uns auch dessen bewusst, dass wir dann ein behindertes Kind haben werden, aber die Eltern von meinem Mann haben uns sofort ihre Unterstützung zu gesagt.
Ich rief meine Mutter an. Ich erzählte ihr, was bei der FD raus kam. Sie wollte es nicht wahr haben und redete alle erst mal schön. Das war eben ihre Art damit umzugehen.

Am Montag, den 17.11.14, fuhren wir nach Leipzig. Wir waren sehr aufgeregt. Wir waren viel zu früh dort. Vor uns war noch eine Familie dran. Wir mussten lange auf den anderen Arzt warten.

Nach einer Stunde waren wir an der Reihe. Es wurden alle Daten vom Mutterpass übertragen. Dann ging es los. Wir wurden gebeten , während der Untersuchung , keine Fragen stellen sollen.
Wir hielten uns daran. Mein Mann verstand nicht was die beiden da murmelten. Ich hab nur die Hälfte verstanden. Ich war einfach froh, meinen kleinen dort zu sehen. Wie er sich bewegte und nicht so mitspielte wie er sollte :) Das ist unser Kind, dachte ich mir und musste schmunzeln.
Es wurde festgestellt, dass er zu klein ist für die SSW. Der eigentliche ET war der 23.3.15, was auch meinen Berechnungen nach so war, weil ich zu 100% wusste wann Linus entstanden ist, weil wir nur einmal nicht verhütet hatten.
Es wurde dann gesagt, dass der ET der 07.04.15 wäre. Ich sagte den Ärzten gleich, dass das nicht sein kann. Doch sie ignorierten es.
Wir wurden anschließend in den Nebenraum gebeten und uns wurde alles erklärt.
Sie sagten uns, dass ein anderer Herzfehler vorliegt, ein sog. VSD. Hinzu kam eine Tricuspidalatresie, eine leicht 'reitende' Aorta über dem VSD und eine Pulmonalstenose.
Desweiteren wurde eine sehr voluminöse Plazenta gesehen
Außerdem erklärten sie uns die OP-Schritte, die aber nur so bei genetisch gesunden Kindern durchgeführt werden könnten.
Der Chefarzt riet uns "nur zur Absicherung eine Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen, bei uns käme mit Sicherheit nichts raus" , so seine Worte.
Wir fuhren voller Hoffnung uns neuen Mutes nach Hause. Am nächsten Tag feierten wir unsere Hochzeit. Es war so schön.
Auf der Heimfahrt rief ich noch bei meinem Frauenarzt an und vereinbarte für Donnerstag einen Termin und sagte , dass ich zur Fruchtwasseruntersuchung müsse.
Sie vereinbarten für mich einen Termin.

Am Freitag, den 21.11.14 war dann die Fruchtwasseruntersuchung. Mein Mann begleitete mich. Die Punktion fand ich schrecklich. Das Eindringen in die Gebärmutter und dann das Abziehen von Fruchtwasser... Ich betete nur, dass dem kleinen nichts passiert.

Dann mussten wir warten... Am Donnerstag den 04.12.14 rief die Sprechstundenhilfe vom Frauenarzt an und sagte mir, dass das Ergebnis da sei und ich in die Praxis kommen soll. Ich war ganz aufgeregt und redete mir ein, dass sie ja am Telefon nichts sagen dürfe. Ich rief meinen Mann an und bat ihn mitzukommen. Er sagte mir später, dass auf einmal Stille in der Firma war.
In der Praxis, waren noch 2 Frauen vor uns an der Reihe. Als wir im Wartezimmer saßen, sagte ich noch zu meinem Mann "Was machen wir, wenn jetzt doch was raus kommt? Ach ... es wird schon alles gut sein.".
Die Schwester rief uns auf und schaute schon etwas komisch. Wir setzten uns und dann kamen die schlimmsten Worte meines Lebens:

"Frau R. unsere schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten.... Ihr Kind hat eine Trisomie"

Bei meinem Mann flossen sofort die Tränen. Ich war einfach nur geschockt. Uns hat es den Boden unter den Füßen weggerissen... Aber das schlimmste sollte noch kommen, als ich fragte um welche Trisomie es sich, denn bei unserem Sohn handle...

"Es handelt sich um eine Trisomie 13. Es tut mir unendlich leid!"

Ich wusste, dass es vorbei ist. Bei mir flossen nun auch die Tränen. Er klärte uns auf, was es zu bedeuten hat, wie schlecht die Prognosen für das Kind seien... Dass wir Abtreiben könnten.
Ich bin dann hochgeschreckt und hab gleich gesagt, dass ich das nicht kann. Er machte einen Termin zur genetischen Beratung für uns aus und für mich einen Termin bei einer Psychologin.

Wir fuhren wieder zu meinen Schwiegereltern... Wir erzählten ihnen von dem Ergebnis. Wir weinten alle und schwiegen uns dann an.
Mein Mann und ich beschlossen ziemlich schnell, dass wir nicht über Leben oder Tod entscheiden wollen. Wir sagten, dass wir unserem Sohn selbst die Entscheidung lassen wollen, wann er uns verlässt. Warum sollten wir ein ohne hin begrenztes Leben noch verkürzen?

Am nächsten Tag war die genetische Beratung. Sie zeigte uns Bilder und klärte uns ebenfalls darüber auf, wie schlecht die Prognose ist, aber , dass es auch Ausnahmefälle gibt und manche Kinder länger leben. Dies hängt ja aber von den Fehlbildungen der Organe ab. Wir erzählten ihr, dass wir nicht abtreiben wollen. Sie fand unsere Entscheidung gut. Sie meinte, wenn es für uns der richtige Weg ist, dann sollen wir ihn gehen. Wir ließen uns noch Blut abnehmen, weil wir es schwarz auf weiß haben wollten, dass bei uns genetisch alles gut ist. Sie meinte aber, dass wir uns darauf einstellen sollen, dass es bis zur 30. SSW vorbei sein wird. Ich war bei 24+...

Ich versuchte Linus' Leben so schön wie möglich zu machen. Ich erzählt mit ihm. Er reagierte immer im Bauch, wenn sein Papa heim kam. Es war so schön.

Ich bekam die Nummer einer Hebamme, die ich anrief. Sie hat Belegbetten im Krankenhaus und geht zur Geburt mit. Das war mir wichtig. Ich wollte jemanden, der uns kennt.
Wir stellten uns in der Klinik vor, um einige Dinge zu besprechen.

Ich musste wöchentlich zur Kontrolle beim Frauenarzt. Es war nach kurzer Zeit eine enorme Belastung für mich. Wenn nicht gleich die Herztöne mit dem Doppler gefunden wurden.
Ich bat darum, alle 14 Tage kommen zu dürfen. Meinem Wunsch wurde nachgegeben.

Ich verabschiedete mich jeden Abend von meinem Kind, in der Hoffnung, dass er sich am nächsten Tag wieder meldet.
Wir hatten einen super Draht zueinander und er meldete sich immer gleich nach dem ich aufgewacht war.
Wenn er sich etwas weniger bewegte, bekam ich Panik. Ich sagte mir aber, wenn es jetzt so sein soll, dann war es sein und Gottes Wille. Ich ging nicht zum Arzt. Er bewegte sich dann wieder und ich war erleichtert.

Wir mussten immer wieder zur Kontrolle ins Krankenhaus, um ihn messen zu lassen und zu sehen, ob sich was verändert hat.

Mir wurde immer mehr bewusst, dass es bald vorbei sein wird. So beschlossen wir, mit der Bestatterin einiges zu besprechen, was wir uns wünschen würden.
Ich suchte im Internet nach einer Fotografin, von www.dein-sternenkind.eu , ich wollte schöne , professionelle Bilder von Linus. Nicht nur die vom Handy. Wir trafen uns hin und wieder mit ihr und besprachen, wie wir es gerne hätten.

Ich nähte, obwohl ich echt eine Anfängerin bin, Schlafsäcke und Mützen in verschiedenen Größen für Linus, weil ich wollte, dass er etwas von uns angezogen bekommt, was auch fröhlich aussieht.

In der letzten Woche mit Linus, las ich endlich noch das Buch von Constanze Bohg "Viereinhalb Wochen". Ich hab mich so oft wieder erkannt.
Am Freitag, den 13.2.15 hatten wir noch einen Einzelgeburtsvorbereitungskurs mit unserer Hebamme. Es war so schön. Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass Linus aufgetaut ist und sich wohl gefühlt hat.
Samstag waren wir zum Valentinstag schön essen gewesen. Wir schrieben mit dem Buch von Constanze , einen Geburtsplan für Linus.

Am Sonntag, den 15.2. , wollten wir eigentlich eine Runde mit dem Auto fahren, doch ich war irgendwie müde und wollt nach dem Mittagessen ein wenig schlafen.
15:45 bin ich erschrocken aufgewacht und merkte wie alles nass wurde. Ich war geschockt und so durcheinander. Ich wusste,dass es jetzt der Anfang vom Ende sein wird.
Wir riefen unsere Hebamme an, die auch kurz darauf vorbei kam. Ich hatte keine Wehen und deshalb beschlossen wir, die Nacht noch zu Hause zu verbringen. Ich musste aber am nächsten Tag allerdings ins KH. Dort bekam ich Antibiotika und wurde überwacht. Es tat sich nichts. Wir besprachen den Geburtsplan mit den Gynäkologen und dem Chefarzt, der Kinderklinik. Alle akzeptierten unsere Wünsche. Wir waren so erleichtert.

Somit wurde dann am Dienstag angefangen einzuleiten. Wieder passierte nichts.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, den 18.2. bekam ich dann gegen halb 2 Wehen, alle 8 Minuten.
Wir haben ca. 1h gewartet und dann unsere Hebamme angerufen.
Halb 5 waren die Wehen dann wieder weg. Wir sollten uns noch mal hinlegen und um 7:30 im Kreißsaal beim Arzt sein.
Dort wurde ich dann weiter eingeleitet, aber mit der doppelten Dosis.
ab um 9 hab ich dann gemerkt wie es wieder los ging. Ich war bei 35+2.
Mein Mann ist noch einmal nach Hause gefahren um einige Dinge zu regeln. Bei mir war dann nur unsere Hebamme.
Sie musste dann aber noch zu einer anderen Frau, zum Hausbesuch und wir vereinbarten, dass sie halb 3 wieder da ist, weil da laut Arzt noch einmal eingeleitet werden sollte.
Mein Mann war dann um 12 wieder da und ich hatte da schon heftige Wehen.
Die Zeit verging kaum bis halb 3. Dann war sie endlich da und ich hab nur gesagt, dass ich in den Kreißsaal will.
Ich wurde nicht noch einmal eingeleitet.
Der MuMu war bereits 1,5 cm offen.
Es zog sich aber so hin. Ich hatte jede Minute Wehen. Es tat sich aber nichts. Ich musste mich irgendwann übergeben, weil mein Körper es nicht mehr aushielt anscheinend

18:00 hielt ich es dann nicht mehr aus und verlangte eine PDA.
Die natürlich, wie sollte es auch anders sein, nicht glückte.
der Arzt sagte nur, dass das in seltenen Fällen der Fall ist und dass er 20:00 wieder da ist. Ich hab ihn dann angeschnautzt und gesagt, dass wir ja die seltenen Fälle gewohnt sind....
ZWANZIG UHR! Das war eine Ewigkeit.
Ich hielt es kaum noch aus. Die Schmerzen waren so schlimm.
Es kam eine andere Hebamme hinzu, die mich ebenfalls untersuchte. Sie meinte dann, dass ich Verwachsungen durch meine Blinddarmnarbe habe und, dass es deshalb wahrscheinlich so schlimm ist.
Am MuMU hatte sich noch nicht sehr viel getan. Wie frustrierend.
Ich konnte auch irgendwie nicht los lassen, weil ich ja unterbewusst wusste, dass es bald vorbei sein wird.
Ich hab mir die Seele aus dem Leib geschrien und geheult wie verrückt.

Der Arzt kam wieder und beim 2. Mal ist die PDA dann geglückt.
Es war erleichternd, dass die Schmerzen deutlich besser wurden.
Mein Mann und ich haben dann erst mal eine Runde geschlafen.
22:00 bin ich wieder erwacht und mekrte, dass es wieder los ging.
Die Wehen kamen 22:20 wieder und so heftig. Ich dachte, dass es das doch nicht gibt.

Aber dann war unser Linus schon fast da.
Nach ein paar Presswehen schaute ich genau 23:15 auf die Uhr (als einzige ;) ) und dann war er da.
Mein Mann hat gleich geweint und gesagt : "Er lebt und er hat die Augen auf."
Ich konnte es nicht fassen. So glücklich und stolz war ich in diesem Moment.
Er hatte die Nabelschnur um den Hals gewickelt, aber das machte ihm gar nichts.
Ich bekam ihn auf den Bauch gelegt und er schaute uns mit seinen schönen braunen Augen an. Es war der schönste Moment in meinem Leben und ich war so unfassbar stolz auf ihn, dass er fast allen Wahrscheinlichkeiten und Erwartungen getrotzt hat.

Die Nabelschnur pulsierte aus und der Papa hat sie dann durchtrennt.
Ich hab ihn dann hoch zu mir an die Brust genommen.
Er hat noch immer die Augen auf gehabt und uns angesehen.

Dann nach kurzer Zeit schloss er sanft seine Augen. Er lebte aber weiter.
Ich gab dann meinem Mann unseren kleinen auf die Brust, weil ich wollte, dass er ihn auch lebend auf dem Arm hatte. Unsere Hebamme machte Bilder mit dem Handy und einer Kamera.

Er wog 1740 g war 45 cm groß und hatte einen Kopfumfang von 30 cm. Seine 6 Finger an jeder Hand hatte ich sofort gesehen. Ich schaute nach einer Weile unter das Handtuch und sah je 6 Fußzehen. Ich fand es so niedlich. Linus sah im Gesicht ganz normal aus. Er hatte meine Augenfarbe und die Nase von meinem Mann. Die vielen Haare auf dem Kopf hatte er von mir. Die hatte ich nach meiner Geburt auch :)

Linus hatte blonde Haare und am ganzen Körper einen leichten "Flaum". Er bekam von uns sofort den Spitznamen Pfirsich.

Wir hatten uns vorher noch ein Stethoskop geben lassen um sein Herz hören zu können.
Wir hörten, dass es immer langsamer wurde. Gegen 0:30 ist er dann eingeschlafen. Doch bewusst wahrgenommen haben wir es nicht.
Ich war noch so überwältigt von der Geburt. Wir riefen unsere Fotografin an, die noch in der Nacht kam.
Wir haben Nachrichten an alle verschickt, weil sie ja auf eine Antwort gewartet haben.

Unsere Eltern kamen dann früh vorbei und verabschiedeten sich von Linus.
Ich weiß, dass es Linus jetzt gut geht. ER hat keine Sekunde gelitten. Wir durften ihn kennenlernen und seine Wärme und Bewegungen auch außerhalb des Bauches spüren.

Ich weiß, dass wir den, für uns, richtigen Weg gegangen sind. Er hat es selbst entschieden, wann er geht.

Er wird uns wieder erkennen, wenn auch wir eines Tages in den Himmel gehen.
Wir werden ihn so fest halten und dann nie mehr los lassen!
Er wird immer unser Erstgeborener bleiben.
Niemand wird ihn je ersetzen! Ich werde ihn immer lieben! Er hat so viel bewegt. Linus hat uns gezeigt worauf es im Leben ankommt und das ist ein großes Geschenk.


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#2

RE: Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 28.03.2015 12:13
von Patty84 | 96 Beiträge

Hallo Michelle,

so liebevoll wie du euren Linus beschreibst lässt keinen anderen Schluss zu, als dass er für euch perfekt war; einfach so wie er war. Was Besonderes

LG
Patricia


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#3

RE: Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 28.03.2015 14:52
von Myri | 288 Beiträge

Liebe Michelle !

Danke für diesen wundervollen Bericht über das kurze Leben Deines Linus ! Du kannst stolz auf ihn, Dich, Deinen Mann, Eure ganze Familie sein !
Kleiner Linus, Du auch !

Alles Liebe,

Deine Myri


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#4

RE: Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 28.03.2015 16:13
von silvanapapa | 1.618 Beiträge

Liebe Michelle,

zuerst einmal möchte ich euch herzlich zur Geburt eures Linus gratulieren. Dein wundervoller, liebevoller Bericht hat mich tief berührt. Mir wurde beim Lesen ganz warm ums Herz und ich konnte auch die eine oder andere Träne nicht zurückhalten.
Euer Linus hat diese tiefe und bedingungslose Liebe zu ihm genau gespürt, er hat sich für euch lebend auf die Welt gekämpft, um euch wenigstens ein paar Minuten lang anschauen zu können. Das war seine Art "Danke" zu sagen, dafür, dass ihr ihn nach dieser furchtbaren Diagnose zu keiner Zeit aufgegeben habt.
Ich freue mich, dass er euch diese unendlich wertvollen 75 Minuten geschenkt hat. Diese gemeinsame Zeit kann euch keiner mehr nehmen. Es ist sehr schön und auch wichtig, dass alles so stimmig abgelaufen ist. Und mit den professionellen Fotos der wundervollen Organisation "Dein Sternenkind" habt ihr zusätzlich unbezahlbare Erinnerungsstücke hinzugewonnen.
Eure innige Verbindung zu euren Eltern wird ganz sicher eine große Stütze sein, um nun den schweren Weg der Trauer zu gehen. Es ist schön zu wissen, dass ihr auf diesem nicht alleine seid, sondern eine wertvolle Begleitung habt.
Alles Liebe,
Jens


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#5

RE: Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 28.03.2015 16:20
von Michelle8394 | 18 Beiträge

Ich danke euch für eure lieben Worte. Sie haben mich berührt und mir kamen die Tränen.
Danke!
Liebe Grüße Michelle


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#6

RE: Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 30.03.2015 18:01
von sloggi | 19 Beiträge

liebe michelle!!!
ich habe mich in eurem bericht so wieder gefunden...
mir laufen immernoch die tränen..
es war fast alles so wie bei unserem timo..
danke für die liebvoll geschriebenen zeilen..

tanja


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#7

RE: Mein Engel Linus (Trisomie 13)

in Erfahrungsberichte 31.03.2015 05:54
von Michelle8394 | 18 Beiträge

Zitat von sloggi im Beitrag #6
liebe michelle!!!
ich habe mich in eurem bericht so wieder gefunden...
mir laufen immernoch die tränen..
es war fast alles so wie bei unserem timo..
danke für die liebvoll geschriebenen zeilen..

tanja



Liebe Tanja,
mir ging es genauso, als ich deinen Beitrag von Timo gelesen habe. Ich finde es schlimm, dass so viele Menschen dieses Schicksal ereilt. Es sind mehr als man denkt. Das weiß ich durch das Internet und nur die wenigsten Menschen haben die Kraft und den Mut, ihrem Baby die Chance zu geben selbst zu entscheiden.
Ich kann wirklich immer nur für uns sprechen , dass es die beste Entscheidung war, diesen Weg zu gehen, auch wenn es eine enorme Belastung war. Wir hatten so die Möglichkeit unserem Linus in die Augen zu sehen und das war wirklich die schönste Belohnung überhaupt. ♡♡♡

Liebe Grüße


zuletzt bearbeitet 31.03.2015 06:00 | nach oben springen


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