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Sternenkind Annika Trisomie 13

in Erfahrungsberichte 21.12.2015 13:07
von Annika2015 | 21 Beiträge

Es sind jetzt 5 Wochen vergangen, dass meine kleine Annika verstorben ist.
Seit der Diagnose in der Schwangerschaft bin ich hier im Forum unterwegs und habe mir verschiedene Erfahrungsberichte durchgelesen. Das hat mir sehr geholfen und mich auch ermutigt die Schwangerschaft bis zum Schluss auszutragen.
Heute möchte ich euch auch gerne an unserer Geschichte teilhaben lassen und somit auch anderen betroffenen Müttern in einer ähnlichen Situation zu helfen.

Mein Name ist Kerstin, ich bin 39 Jahre alt und habe bereits einen gesunden dreijährigen Sohn.
Anfang März diesen Jahres hielt ich einen positiven Schwangersachafts-Test in den Händen. Klar habe ich mich darüber gefreut war aber zu dieser Zeit auch noch sehr ängstlich, dass ich das gar nicht richtig an mich ranlassen wollte. Hatte bereits das Jahr zuvor eine frühe Fehlgeburt in der 12. Schwangerschaftswoche.
Aufgrund der Angst, dass mir dies ja erneut passieren könnte, habe ich mir direkt eine Hebamme gesucht die mich in dieser Zeit bereits zusätzlich zum Frauenarzt mitbetreute.
Als die ersten 3 Monate dann überstanden waren war ich sooo happy. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass jetzt noch irgendetwas passieren könnte.
Annika war von Anfang an ein sehr lebhaftes Baby, dass sich auch kaum schallen ließ. Wenn der Ultraschallkopf Richtung Kopf kam hat sie sich sofort weggedreht oder hat die Hände vors Gesicht genommen. Wir hatten uns dabei nichts gedacht, haben sogar unsere Späße gemacht, dass sie es der Frauenärztin soo schwer macht.
In der 27. Ssw stellte meine Frauenärztin fest, dass die lateralen Ventrikel etwas erweitert sind und ich zu viel Fruchtwasser habe. Sie hat mich zur Vorsicht ins Krankenhaus verwiesen, damit nochmal eine andere Ärztin darauf schaut. Ich sollte mir keine Sorgen machen.
Im Krankenhaus angekommen wurde ich von einer sehr lieben Ärztin betreut. Während dem Ultraschall teilte sie mir gleich weitere Auffälligkeiten mit (beidseitige Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, flaches Profil). Sie tippte bereits hier auf eine Trisomie 13 und führte bereits am gleichen Tag eine Fruchtwasseruntersuchung durch.
Ab diesem Zeitpunkt war ich total aufgelöst und habe nur noch geweint. Die Ärztin führte den FISH-Test durch und gab mir ihre persönliche Handynummer. Ich durfte mich jederzeit bei ihr melden wenn ich irgendwelche Fragen hätte.
Zu Hause angekommen habe ich nach allem gegoogelt: Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und Trisomie 13. Wir klammerten uns daran, dass sich die Ärztin geirrt hatte und nur die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte da ist. Dies könnte man ja problemlos mit einer Operation beheben.
3 Tage danach klingelte unser Telefon. Der FISH-Test hatte die Trisomie 13 bestätigt. Sie sagte mir gleich das wir nun 3 Möglichkeiten hätten: das Baby austragen, die Geburt einleiten oder Fetozid. Die Tage danach waren ein einziger Alptraum. Ich habe nur geweint und überlegt was die richtige Entscheidung wäre. Ich wollte auf keinen Fall das sie leidet.
Nach vielen Gesprächen mit Psychologen, Frauenarzt und Kinderarzt habe ich mich dafür entschieden das Baby auszutragen. Ab diesem Zeitpunkt, als die Entscheidung gefällt war, ging es mir zum ersten Mal etwas besser.
Wir haben uns entschieden die Geburt bei 38+0 einzuleiten, da ich eine Wehenschwäche habe und wir somit genügend Zeit hätten die Geburt einzuleiten. Alle Ärzte wollten mir auf jeden Fall einen Kaiserschnitt ersparen.
Das waren dann noch 6 Wochen, die auch sehr hart waren für mich. Die Auffälligkeiten im Ultraschall wurden immer offensichtlicher. Die lateralen Ventrikel erweiterten sich immer mehr und das Fruchtwasser wurde auch immer mehr. Ansonsten ging es Annika aber sehr gut in meinem Bauch. Die Ärzte waren immer erstaunt wie normal die Herztöne waren und wie gut die Versorgung durch mich war.
Ich war auch so immer hin und her gerissen. Ich hatte sehr große Angst. Was wird auf mich zukommen? Wird sie leben? Wie wird sie aussehen? Wie wird mein Sohn damit zurecht kommen? Am meisten Angst hatte ich davor ob ich sie lieben kann. An manchen Tagen habe ich sogar gehofft das es einfach vorbei ist und ich aus dem Alptraum wach werde.
In der 39. Schwangerschaftswoche ging ich ins Krankenhaus um die Geburt einzuleiten. Die Zeit im Krankenhaus war tatsächlich nochmal eine intensive Annika-Zeit, in der ich nochmal eine intensive Bindung zu ihr aufbauen konnte.
Ich hatte 5 Tage Gelwehen, die echt heftig waren. Die Hebammen konnten mir die Schmerzen nicht nehmen da sich am Muttermund so gut wie nichts tat und sie Angst hatten das die Wehen dann wieder weg wären. Im Nachhinein denke ich das sich mein Körper einfach gegen die Geburt gesträubt hat. Ich wollte sie nicht hergeben, es war ja der Anfang vom Abschied. Keiner konnte mir sagen wie es endet: sie könnte bereits während der Geburt sterben oder auch eine zeitlang leben.
Nach 5 Tagen Gelwehen konnte ich einfach nicht mehr. Ich war total fertig und konnte die Schmerzen einfach nicht mehr aushalten. Ich bekam dann eine PDA und meine Fruchtblase wurde gesprengt. Ab diesem Zeitpunkt ging es sehr schnell.
Die Herztöne wurden zwischendurch immer mal wieder gehört, um zu überprüfen ob sie noch lebt. Während den Presswehen ist sie dann leider gestorben. Leider weiß ich nicht genau wann da zu diesem Zeitpunkt keine Herztöne gemessen wurden. Das tut mir nun sehr leid, da ich in diesem Moment leider nicht, wenigstens gedanklich, ganz nah bei ihr sein konnte.
Die Hebamme hat sie mir direkt auf den Bauch gelegt. Ihr hattet alle Recht: Es wäre egal gewesen wie sie ausgesehen hätte. Ich hätte sie auf jeden Fall geliebt. Es war trotz allem ein sehr inniger Moment den ich hoffentlich nie vergessen werde. Ich liebe und vermisse sie soooo sehr.
Leider konnte ich ihr nicht mehr zeigen oder ihr sagen wie lieb ich sie habe.
Am nächsten Tag kamen mein Sohn und meine Familie um sich auch von Annika zu verabschieden. Mein Sohn hat das so toll gemacht. Er hat sie gestreichelt und gehalten und hat sie so liebevoll angeschaut. Auch dieser Moment war echt schön und werde ich niemals vergessen.


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