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Julia starb an den Folgen von Spina Bifida

in Erfahrungsberichte 15.08.2012 13:34
von Nelle | 49 Beiträge

Die Schwangerschaft mit Julia war wunderschön. Ich konnte sie richtig geniessen und hatte nicht die üblichen Schwangerschaftsbeschwerden.
Im April stellte unser Gynäkologe fest, dass Julias Ventrikel im Köpfchen 1mm zu breit waren. 1 mm? Was ist das schon?
Da er keine Erklärung fand, empfahl er uns, einen Professor in Zürich aufzusuchen. Das haben wir dann auch getan.
Auch dieser Arzt stellte fest, dass die Ventrikel zwar ein bisschen zu breit waren, sie sich sonst aber sehr gut entwickle und die Hirnstrukturen gut aussehen. Er wagte mit Vorsicht zu sagen, dass es sich um nichts Schlimmes handle.
Wir mussten uns noch überlegen, ob wir allenfalls noch ein MRI machen wollten, um sicher zu gehen.
Wir haben uns dagegen entschieden, da beide Ärzte positiv eingestellt waren und für uns eine Abtreibung sowieso nicht in Frage käme.
Die Sorgen nahmen mit jedem Tag ab, die Vorfreude auf die Geburt immer grösser.
Im letzten SSS-Monat durfte ich nicht mehr arbeiten, also genoss ich die Zeit, mein Baby zu erleben. Wir wussten nicht, dass das auch die einzige Zeit mit ihr war.
Am Montag vor der Geburt war ich wieder in der Kontrolle. Es schien ihr sehr gut zu gehen. Die Durchblutung im Köpfchen war ein bisschen an der oberen Grenze und so haben wir abgemacht, am Freitag einzuleiten, falls sie sich bis dann noch nicht selber auf den Weg gemacht hätte.
Vom Montag auf den Dienstag gingen die Wehen los. Alles ging sehr schnell und wir freuten uns riesig. Auch die Hebamme bestätigte, dass ich schon sehr weit wäre und es nicht mehr lange dauert, bis wir unser Mädchen in die Arme nehmen könnten.
Als sie das CTG machte, waren keine Herztöne auffindbar. Es wurde sofort einen Notkaiserschnitt gemacht. Ich hatte bloss eine Rückenspritze gekriegt, sodass ich die Geburt miterleben konnte.
Die Minuten des Bangens, der Hoffnung waren unendlich lange und traumatisch. Ich musste dreimal mitansehen, wie unsere Tochter im Nebenzimmer reanimiert wurde.
Sie schaffte es nicht. Unser zartes Mädchen durften wir dann aber lange bei uns haben, sie sehen, riechen, fühlen. Das Gefühlschaos zwischen grossen Glücksgefühlen und immenser Trauer war riesig. Wir hatten uns so auf sie gefreut. Alles war bereit. Und plötzlich war sie schon weg.
Wir hatten dann eingewilligt, eine Obduktion zu machen und dabei kam heraus, dass sie einen kleinen offenen Rücken hatte. Durch den offenen Rücken hatte sich das ganze Gehirn nach Hinten verschoben. Dabei drückte das Kleinhirn auf das Atmungs- und Herzschlagzentrum. Sie hätte also nie leben können. Sonst war alles perfekt.
Unterdessen wissen wir auch, dass ihre Krankheit nicht genetisch bedingt ist. Wahrscheinlich liegt der Grund doch in der Folsäure, obwohl ich schon vor der Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure-Tabletten begonnen hatte.
Es sind nun gut zwei Monate seit dem Sterben unserer Tochter vergangen. Wir sind immer noch sehr, sehr traurig, aber wissen auch, dass sie im Himmel nicht im Rollstuhl ist, dass sie keine Schmerzen hat und nicht leiden muss. Das gibt uns viel Trost.
Ich habe angefangen, einen Blog zu schreiben. Das hilft mir, die Trauer zu verarbeiten.


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