#1

Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 02.02.2014 14:39
von Ulli | 83 Beiträge

Hallo,
wir haben die Diagnose Trisomie 21 und schwerer Herzfehler vor einer Woche bekommen (13. SSW) und stehen vor der Entscheidung, wie es weitergehen soll.
Nach dem ersten Schock bin ich nun eigentlich soweit, das Kind austragen zu wollen. Mein Mann ist aber der Meinung, dass so ein Kind unsere Familie zerstören wird, dass wir der Aufgabe einfach nicht gewachsen sind und unsere Tochter (1,5 Jahre alt) zu sehr darunter leiden wird. Ein Stück weit verstehe ich ihn, aber ganz tief in mir drin ist einfach das Gefühl, dass ich mein Kind nicht töten kann. Unsere Lebensumstände sind nicht ganz einfach, wir haben an unserem Wohnort keine Eltern/Schwiegereltern vor Ort, die uns unterstützen können und auch mal bei einem Krankenhausaufenthalt des Babys bei uns den Haushalt bzw. unsere Tochter betreuen können.
Gibt es hier noch andere Personen, bei denen die Meinungen der Partner auseinandergingen und wie viel Betreuung / Unterstützung wird bei einem Trisomie 21 - Kind von aussen benötigt???
Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen.
Danke.


nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#2

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 02.02.2014 15:14
von Shila | 1.351 Beiträge

Liebe Ulli,

ein liebes Willkommen hier bei uns im Forum. Ich schalte dich gleich mal frei, dann hast du mehr Möglichkeiten dich hier bei uns zu informieren. Wir haben ein paar Mamas mit T21 Kindern, du darfst sie gerne auch per PN anschreiben, damit sie deine Fragen beantworten können. Allen voran ist eine Mama (ihr Name ist Iko), die sowohl einen kleinen Jungen mit T21 hat als auch ein kleines Mädchen mit Anencephalie (einer nicht mit dem Leben vereinbaren Krankheit) hatte und sie sagt selbst, dass sie froh gewesen wäre, wenn Valentina statt der Anencephalie eine T21 gehabt hätte.

Ich selbst habe im Jahr 2011 meine nicht lebensfähige Tochter ausgetragen, entgegen den Rat der Ärzte und auch ohne Übereinstimmung mit meinem Mann. Ich wusste, dass er lieber alles schnell hinter sich gebracht hätte und große Angst hatte, dass unsere restliche kleine Familie das nicht packen würde. Tief in mir war ich mir aber zu 100 Prozent sicher, dass der Abbruch für mich
der psychisch schlimmere Weg wäre. Deshalb hätte ich mich eher von meinem Mann getrennt, als einen Abbruch durchzuführen. Letztlich hat mein Mann erst mit dem Tod unserer Tochter begriffen, um was es mir ging und hat heute eine völlig andere Meinung dazu.

Ich wünsch dir ganz viel Kraft und Zuversicht, damit sich für dich die Situation verbessert.

Alles Liebe


nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#3

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 02.02.2014 15:15
von Glückskind | 1.244 Beiträge

Hallo Ulli!
Ein ganz herzliches Willkommen,bei uns im Forum.
Ich kenne persönlich einige Familien,die vor dieser schweren
Entscheidung standen,sich für oder gegen das Kind
mit Trisomie 21 zu entscheiden.Und hingegen ihrer
Befürchtungen,haben die Eltern nie bereut,sich
für ein Leben mit diesem besonderen Kind,entschieden
zu haben.Im Gegenteil,es hat sie noch mehr bereichert
und sie durften erkennen,wie wertvoll dieses Kind ist.
Und wie kostbar es ist,es aufwachsen zu sehen und
an ihrer Lebensfreude teilhaben zu dürfen.Natürlich
gibt es auch herausfordernde Bereiche und Situationen.
Aber wenn in eurer Beziehung genug Zusammenhalt
und viel Vetrauen und gegenseitiges Verständnis ist(und
vor allem Glauben an euch selbst als Paar),dann bekommt
ihr das hin.Höre auf dein Gefühl,es ist dein Körper,dein
Bauch und du mußt mit der Entscheidung leben können.
Du mußt sie verkraften und verarbeiten und jeden Tag spüren,tief in deinem Inneren.
Lasse dich zu nichts drängen und bleibe deinem Standpunkt
treu.Ich hoffe,daß ich dir das sagen durfte.Es gibt hier im
Forum auch Beispiele,wie ein Kind mit Trisomie 21,daß
gemeinsame Leben bereichert.Da ist die liebe Iko(wie von Shila erwähnt) und ihrem
kleinen Bela Löwenherz;-) und Anja mit Charlotte ...
Sie können dir auch bestimmt Tips geben,was auch die
bestimmten Hilfsangebote betrifft.Ganz liebe Grüße und
Kraft für die kommende Zeit! Tanja


zuletzt bearbeitet 02.02.2014 15:27 | nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#4

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 02.02.2014 18:30
von silvanapapa | 1.687 Beiträge

Liebe Ulli,

auch ich möchte dich hier im Forum ganz herzlich begrüssen. Es tut mir leid, dass ihr euch um euer Baby solche Sorgen machen müsst. Ich selbst kann dir zum Thema T21 nur bedingt helfen, da bei unserer Tochter T18 diagnostiziert wurde, aber Shila hat dir ja schon ein paar wertvolle Tipps gegeben. Und auch einige andere Mütter werden dir hier eine grosse Stütze sein können.
Die Entscheidung, ob du das Baby austragen willst, kann dir natürlich kein Mensch abnehmen. Aus deinen Zeilen lese ich aber heraus, dass du dich schon für dein Kind entschieden hast. Ich möchte dir raten, auf dein Bauchgefühl zu hören, denn diese schwere Entscheidung musst du für den Rest deines Lebens mit deinem Gewissen vereinbaren können. Ich wünsche dir sehr, dass du vielleicht durch Gespräche auch deinen Mann noch von deiner Entscheidung überzeugen kannst. Dafür wünsche ich dir ganz viel Kraft. Alles Liebe,
Jens


zuletzt bearbeitet 02.02.2014 18:31 | nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#5

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 02.02.2014 21:17
von selkie | 220 Beiträge

liebe ulli,

ich heiße dich auch hier herzlich willkommen. ich kann dir hier auch keine erfahrung bieten, da ich selbst nicht betroffen bin.

ich kenne aber ein paar mamas die ein t21 kind haben. sie wachsen ganz einfach mit den kindern in ihre rolle rein, und wollen es niemals missen, auch wenn sie eine herausforderung sind und nicht immer alles einfach ist. ein downsyndrom kann auch auch verschiedenste ausprägungen haben, es kann recht schwach oder recht schwer ausgeprägt sein /ich glaube das kann man bei der diagnose nicht feststellen).
ich wünsche dir einfach, dass du auf dein bauchgefühl hörst und dich so entscheiden kannst wie es sich für dich richtig anfühlt. du mußt als mama letztendlich mit der entscheidung leben. deinen mann kann ich gut verstehen, aber er ist noch nicht so verbunden mit dem baby wie du, es wächst ja in deinem bauch schon seit einiger zeit. oh ich wünsche euch, dass ihr als paar den richtigen weg finden könnt und gemeinsam geht.


nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#6

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 02.02.2014 23:20
von Elija | 1.892 Beiträge

Liebe Ulli,
herzlich Willkommen auch von mir! Es tut mir sehr leid zu lesen, dass Eure Gefühle als Eltern Eurem Kind gegenüber so weit auseinanderklaffen. Ich kann mir nur vorstellen, wie schwer das, zusätzlich zum Schock den Diagnose sein mag.
Es wird immer darauf verwiesen, wie viele Paare an der Aufgabe, ein behindertes Kind anzunehmen, zerbrechen. Wir sind/ waren dieser Aufgabe nicht gewachsen, heißt es dann. Das ist traurig und es tut mir jedesmal weh, das so zu hören oder zu lesen, denn uns hat die schlimme Zeit, in der wir nicht wussten, ob unsere zweite Tochter den Weg ins Leben schafft, und welche gesundheitlichen Probleme sie mitbringen wird, sehr stark zusammenwachsen lassen. Aber ich weiß mittlerweile ebenso von Beziehungen, die auseinandergingen, gerade weil man sich diese Belastung ersparen wollte, und im Nachhinein gerade der Tatsache auf Dauer nicht gewachsen war, dass man nicht die Kraft und den Mut hatte, sich auf ein Kind einzulassen, von dem man von Anfang an weiß, dass es viele Erwartungen, die man an sein Kind hat, nicht wird erfüllen können. Am meisten belastet scheinen mir da solche Situationen, wo ein Partner dazu tendiert hat, das Kind anzunehmen, aber aus Angst verlassen zu werden, aus Liebe und Rücksicht zum Partner oder welchen Beweggründen auch immer, dem Abruch zugestimmt hat, ohne wirklich von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt zu sein. Ich glaube, das ist auf Dauer schwer durchzuhalten, ohne daran zu zerbrechen. Viele leiden unter der Endgültigkeit der Entscheidung.
Was meine Erfahrungen mit dem Down-Syndrom betrifft, möchte ich Dir eine Antwort auf einen anderen Beitrag anfügen, denn es sind fast diesselben Gedanken, die mir jetzt, da ich Deine Zeilen lese, wieder durch den Kopf gehen:

Zitat von Elija im Beitrag RE: Diagnose Trisonomie 21, seit 24 Stunden bin ich völlig fertig

Ich befand mich vor reichlich 2 1/2 Jahren in einer ähnlichen Situation, als bei unserem zweiten Wunschkind in der 9.SSW die riesige Nackenfalte auffiel. Da wir beide nicht mehr jung sind, schien ein Downsyndrom die wahrscheinlichste Ursache zu sein, und bis zum Vorliegen des Punktionsergebnisses ein paar Wochen später ließ uns auch jeder in dem Glauben. (Dass unsere Geschichte dann ganz anders weiter ging, soll jetzt erst einmal keine Rolle spielen.) Wir hatten also reichlich Zeit, uns mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dass unser Baby das Downsyndrom haben wird. Ich gestehe, obwohl wir uns sehr rasch einig waren, dass das kein Grund ist, die Schwangerschaft zu beenden, war die Vorstellung für uns alles andere als einfach. Obwohl ich mir immer sicher war, dass ich das Kind auch mit Downsyndrom immer geliebt hätte!
Es ergab sich, dass zufällig eine gute Freundin, die Patentante meiner ältesten Tochter, mit ihrem Sohn für ein paar Tage bei uns war. Ihr einziger Sohn ist mittlerweile erwachsen und hat das Downsyndrom, was vorgeburtlich nicht bekannt war. Wir hatten sehr intensive, offene und ehrliche Gespräche darüber, wie sich das Leben mit einem Downkind anfühlt, und ich habe sie dabei nochmal ganz neu kennengelernt. Sie sprach sehr unverblühmt, illusionslos, und das tat mir wesentlich besser, als die vielen Schulterklopfer, die so locker dahersagten: "Ihr packt das schon" und dann rasch das Thema wechselten, oder die, denen nur die Frage einfiel, ob wir uns das wirklich antun wollen. Dazu muß ich sagen, meine Freundin liebt ihren Sohn über alles, hat ihn in allem angenommen, begleitet, gefördert und unterstützt, aber sie kann auch ganz nüchtern sagen, was nicht geht, welche Hoffnungen im Laufe der Zeit auch zerbrochen sind, kann eingestehen, dass das wehtut und Grenzen setzt. Sie kann ehrlich sagen, das Leben ist zwar anders verlaufen, als sie es sich vor und während der Schwangerschaft vorgestellt hat, aber dennoch reich und schön. Nein, es ist nicht einfach, auch mit ganz viel Liebe nicht! Aber es ist lebenswert.
B. ist kein Ausnahmedownkind. Er ist in der integrativen Schule gescheitert, und arbeitet nun, nach Abschluß der Förderschule in einer Behindertenwerkstatt. Er ist sehr selbständig, ist in der Großstadt allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, kann etwas lesen und Rechnen (wenn er Lust dazu hat), kauft mehr oder weniger unfallfrei Sachen von seinem Taschengeld ein und ist meistens glücklich.
B. ist, ich mag nicht, wie so viele es tun, "Sonnenschein" schreiben, das klingt für mein Emfinden immer so verniedlichend und die Probleme verharmlosend. Nein, er ist ein rundum liebenswerter Mensch, offen, humorvoll, und hat oft einen ganz unverstellten Blick auf die Menschen und trifft mit seinen Beurteilungen so oft voll ins Schwarze. Ich sehe in ihm einen Menschen, der ein rundum lebenswertes Leben führt. Er hat schon so viel geschafft und seine Eltern sind stolz auf ihn.
Ich möchte Dich in dem Kontext auch auf ein Buch aufmerksam machen Ich habe es selbst nur auszugsweise gelesen, aber die Herangehensweise der Autorin scheint mir ganz gut:
Conny Wenk: "Außergewöhnlich"
http://www.amazon.de/Au%C3%9Fergew%C3%B6...lich+conny+wenk

So weit ich mich erinnere, hatte meine Freundin nie eine besondere Betreuung für B. Er war (als Kind) einfach immer und überall mit dabei und wurde und wird deshalb auch von allen akzeptiert und gemocht. Mittlerweile ist er sehr selbständig und geht auch oft eigene Wege.
Dass die Tatsache, dass das Geschwisterkind das Downsyndrom hat, für Eure Tochter eine große Belastung darstellen wird, kann ich mir, abgesehen von allem, was eventuell im Zusammenhang mit dem Herzfehler auf Euch zukommt, eigentlich nicht vorstellen. Sie wird ganz selbstverständlich damit aufwachsen, dass das Geschwisterkind ist, wie es ist.
Darf ich fragen, um welche Herzdiagnose es sich handelt?
Meine Tochter (5J) hat übrigens bis heute kein Problem damit, dass unser spezieller Freund anders ist. Wir haben bisher noch nicht einmal darüber gesprochen, dass B. behindert ist, weil sie das scheinbar kaum wahrnimmt. Für sie scheint er einfach anders, wie alle Menschen anders sind.
Ich wünsche Dir, dass Du Deine Entscheidung findest, die Du vor Dir und Deinem Kind verantworten kannst, lebenslang. Und ich wünsche Dir Kraft und Mut, diesen Weg zu gehen! Und am meisten wünsche ich Dir, dass Dein Mann Euer Kind genauso lieben lernt, wie Du das offenbar längst tust!
Liebe Grüße


zuletzt bearbeitet 05.02.2014 14:10 | nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#7

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 03.02.2014 11:18
von Girlsmama | 81 Beiträge

Liebe Uli,

ich kann mir vorstellen, wie es dir geht, wir selbst stecken gerade in einem "Diagnose-Dilemma". Jedoch war für mich immer klar, dass ich niemals abtreiben würde - auch wenn mein Lebensgefährte meinte, ich soll(t)e es machen, wenn dieser Test positiv ausfallen würde. Allerdings war unsere Situation dann auch anders, wir gingen 25 SSW von einem gesunden Baby aus...

Was das Down-Syndrom angeht, kann ich dir nur sagen, dass das ausgesprochen tolle Kinder sind, die einem all ihre Liebe zurückgeben. Mein Hausarzt hat selbst hat einen Sohn mit Down-Syndrom und meinte kürzlich zu mir: "Das ist für mich keine Behinderung, ich sehe dies als Hobby". Er ist auf ihn genauso stolz wie auf seine anderen Kinder und würde ihn nicht hergeben wollen.

In unserem Ort gibt es auch zwei Down-Syndrom-Kinder, die nun in die Krabbelstube gehen. Eines davon kenne ich vom Sehen her und die Kleine ist dermaßen entzückend, dass ich sie am liebsten immer knuddeln könnte, wenn ich sie sehe. Es sind solche Sonnenschein-Kinder!
Wenn ich mir eine Behinderung für mein Kind aussuchen könnte (ich weiß, es klingt blöd), dann wäre es das Down-Syndrom, da ich der Meinung bin, dass man damit am besten leben kann - sicher benötigen diese Kinder auch Therapien, aber sie können auch sehr viel zurückgeben!
Und ich denke nicht, dass eure "große" Tochter Probleme haben wird mit der Behinderung der Schwester...

Vielleicht habt ihr die Möglichkeit, mit anderen Eltern persönlich in Kontakt zu treten, die bereits ein Kind mit T21 haben? Vielleicht wäre dies eine Hilfe für euch?

Alles Gute!


nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#8

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 03.02.2014 16:28
von MariesMama | 533 Beiträge

Liebe Uli,

auch ich möchte dich gerne hier im Forum begrüßen. Ich bin eine der wenigen hier, die die Schwangerschaft abgebrochen hat, mit dieser Entscheidung zu leben ist mehr als schwierig kann ich dir nur sagen. Damit will ich dir keine Angst machen, sondern dir nur ehrlich antworten. Bei mir fand der Abbruch in der 22. SSW statt, dieser Tag war auch der Tag der Diagnosestellung, in Ö leider legal, es besteht keine Beratungspflicht! Ich bin leider an den falschen Arzt gekommen, der behauptete, dass ich sonst mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu kämpfen hätte; nun ja, das war leider für mich der absolut falsche Weg, da ich nach über 6 Jahren noch immer traumatisiert bin. Was ich dir damit sagen will: ich glaube, dass es extrem wichtig ist sich mit der Diagnose und den Prognosen auseinander zu setzen und erst dann eine Entscheidung zu fällen, dass ihr Angst habt ist klar, aber vielleicht hilft es ja wirklich Kontakt zu Familien mit T21- Kindern aufzunehmen. Ich wünsche euch viel Kraft und alles Gute!!


nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#9

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 03.02.2014 18:00
von Girlsmama | 81 Beiträge

In Österreich finde ich es ganz schlimm - wenn man mit anderen Ländern vergleicht. Es wird einem sofort ein Abbruch vorgeschlagen (das müssen sie schon aus rein rechtlichen Gründen sagen), sie werfen auch mit Begriffen so um sich und ja Beratungspflicht gibt es keine. Ich finde es ganz schlimm, dass man überhaupt bis zum Schluss einen sogenannten "Fetozid" machen darf - ich war sehr überrascht darüber...

Aber das ist ein anderes Thema, nochmals alles Gute, liebe Uli!

Und vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung, dass die Dinge anders sind, als sie scheinen... auch wenn ich Dir keine falschen Hoffnungen machen will - aber gib sie nicht auf (ich tue es auch nicht!)

Ach ja: Kann man das Herz schon von einem Spezialisten anschauen lassen? Uns wurde vor zwei Wochen auch gesagt, dass unser Kind einen schweren Herzfehler hat und letzte Woche waren wir beim Kinderkardiologen und der hat das NICHT bestätigt... es kann also immer auch alles anders sein... wartet ab...


zuletzt bearbeitet 03.02.2014 18:06 | nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#10

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 03.02.2014 22:16
von Klatschmohn | 1.834 Beiträge

Liebe Uli,

nun komme ich endlich dazu, Dich hier im Forum willkommen zu heißen, wenngleich der Grund dafür ein solch trauriger ist.
Es tut mir sehr leid, dass ihr mit einer solchen Diagnose für Euer Kind konfrontiert seid. Von heute auf morgen ist nichts mehr wie es war. Der Traum vom glücklichen, gesunden Kind und einer unbeschwerten Zukunft zerplatzt wie eine Seifenblase. Dafür machen sich Ängste, Sorgen und tausend Fragen breit, mit denen man sich lieber nicht auseinandersetzen würde. Ich erinnere mich noch gut daran, wie das Leben plötzlcih stillzustehen schien und sich im Kopf alles nur noch um das kranke Kind unter meinem Herzen drehte.

Zum Leben mit einem Kind mit Trisomie21 kann ich garnichts sagen. Meine einzigen Erfahrungen damit habe ich bisher in Form des Kontaktes mit betroffenen Eltern hier im Forum gemacht. Doch ich bin mir sicher, dass Du hier im Forum dazu viel Hilfreiches findest und Eltern begegnen wirst, die Dir mit ihren Erfahrungen Mut und Hoffnung vermitteln können.
Unsere Tochter Lilli verstarb in der 24. SSW unter meinem Herzen, nachdem wir 4 Wochen zuvor die infauste Diagnose bekommen hatten. Sie hatte einen Chromosomendefekt namens Ulrich-Turner-Syndrom.

Ich finde den Konflikt, in dem Du und Dein Mann nun stehen, sehr schwierig. Zumindest ansatzweise kann ich nachvollziehen, wie es sein muss. In mir selbst wehrte sich schon wenige Tage nach der Diagnose alles gegen einen Abbruch. Mein Mann verschloss sich ziemlich stark, doch irgendwie vermittelte er mir das Gefühl, es wäre ihm lieber, wenn "es" schnell vorbei wäre. Das war eine enorme Belastung für mich, obwohl bereits damals klar war, dass Lilli nicht lebensfähig ist und nur noch wenige Wochen unter meinem Herzen leben würde.
Mein Frauenarzt brachte es damals, nachdem ich ihm die Situation schilderte, ganz deutlich auf den Punkt. Er meinte, ich als Mutter wäre die einzige Person, die die endgültige Entscheidung treffen könne. Mein Mann sei zwar Vater und es wäre gut und wünschenswert, wenn eine Einigkeit bestehen würde. Doch letztendlich zähle, womit ich selbst für den Rest meines Lebens am besten leben könne. Diese Aussage nahm mir damals einen großen Druck.
Glücklicherweise stand mein Mann trotz des Gefühles, das er mir vermittelte, hinter mir und war bereit, den Weg so zu gehen, wie ich es für richtig hielt. Inzwischen weiß ich, dass er glücklich ist, ihn so gegangen zu sein. Mein Weg wurde zu unserem gemeinsamen Weg.

Doch wie dies alles bei uns gewesen wäre, wenn unser Kind lebensfähig (z. B. mit T21 o. ä.) gewesen wäre, kann ich ehrlich gestanden nicht sagen. So bleibt mir nur, Dir zu raten, auf Dein Bauchgefühl zu hören. Es stellt sich meiner Meinung nach die Frage, mti was Du langfristig leben kannst. Und das in alle Richtungen gedacht:
Was, wenn ich das Kind austrage und wir als Familie diesen Weg gemeinsam gehen?
Was, wenn ich das Kind austrage und meine Ehe daran zerbricht?
Was, wenn ich das Kind nicht bekomme, um meiner Ehe willen? Hält die Ehe dies langfristig aus, weil das Kind der zu zahlende Preis für die Ehe/Familie war?
Was, wenn ich das Kind nicht bekomme und langfristig mit der Schuld, den Selbstvorwürfen, etc. nicht klarkomme - und daran zerbreche? Wie ist das dann für meine Ehe/Familie?

Liebe Uli, niemand wird Dir diese Entscheidung abnehmen können. Doch ich möchte Dir Mut machen, Deinen Weg zu gehen, wie ihn Dein Herz und Dein Bauchgefühl Dir vorgeben. Gerade in solch emotionalen Ausnahmesituationen sind Herz und Bauch oft die besten Begleiter. Ich wünsche Dir, dass Du sowohl fachlich als auch menschlich gut begleitet bist. Mögest Du Menschen an Deiner Seite haben, die den Mut haben, diesen Weg mit Dir zu gehen und immer wieder zuzuhören. Ich weiß, wie gut es tat, wenn mir mein Umfeld signalisierte, dass es unseren Weg mit unserer Tochter versteht, respektiert und bereit ist, uns aufzufangen.

Scheue Dich nicht, hier alle Fragen zu stellen, die Dir auf der Seele liegen. Ich hoffe, wir können Dir und auch Deinem Mann eine Stütze sein.


zuletzt bearbeitet 03.02.2014 22:19 | nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.

#11

RE: Vorstellung

in Herzlich Willkommen im Forum von WEITERTRAGEN e.V. 03.02.2014 22:25
von Ulli | 83 Beiträge

Ich bin überwältigt von den Antworten... ganz herzlichen Dank für die liebevolle Aufnahme hier, die Zeit, die ihr euch genommen habt, mir zu schreiben und für euer Verständnis für meine Situation. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr es mir hilft!
Ich bin gerade dabei, eine ausführlichere Schilderung zu schreiben, die dann im geschützten Bereich zu sehen ist. Dort gehe ich auch auf ein paar Rückfragen ein.
Nochmal ganz herzlichen Dank, ich bin so froh, dieses Forum gefunden zu haben!!!


nach oben
lockDas Thema wurde geschlossen.


Besucher
1 Mitglied und 3 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Kate
Besucherzähler
Heute waren 27 Gäste und 6 Mitglieder, gestern 143 Gäste und 27 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 1738 Themen und 25145 Beiträge.

Heute waren 6 Mitglieder Online:


disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 1
Besucht uns auch bei Facebook



Xobor Ein eigenes Forum erstellen